Anne ist sicherlich die unbedeutendste der drei Brontë-Schwestern. Aber es ist ja auch schwer genug, auf demselben Niveau zu agieren wie Charlotte oder Emily, das Genie der Familie.* 1847 war das berühmte Schwesternwunderjahr der Brontës, die, jede für sich, jeweils einen Roman herausbrachten, Jane Eyre (Charlotte), Sturmhöhe (Emilys) und Agnes Grey (Anne).
* Trotzdem zählen Annes Romane (außer Agnes Grey auch Die Herrin von Wildfell Hall zu den Klassikern der englischen Literatur. Was ja nur beweist, welch herausragende Stellung ihre Schwestern in der Literaturwelt einnehmen. (Anm. d. Hrsg.)
Dabei hat Anne im Grunde eine Art Autobiografie geschrieben, denn das, was Agnes erlebt, hat in dieser oder ähnlicher Form auch Anne zuvor erlebt. Beide sind sie Töchter eines verarmten Landpfarrers, die als Gouvernanten ihren Lebensunterhalt sich zu verdienen suchen.*
Anne Brontë
(Thornton 17. Januar 1820 – 28. Mai 1849 Scarborough)
Die jüngste Brontë-Schwester wurde die meiste Zeit zu Hause unterrichtet, nur in den Jahren von 1835 bis 1837 besuchte sie die Mädchenschule von Roe Head, wo ihre Schwester Charlotte als Lehrerin arbeitete. 1839 nahm sie ihre erste Stelle als Gouvernante bei der Familie Ingham an, kehrte aber nach nur einem halben Jahr wieder nach Hause zurück. Sehr viel länger hielt sie es bei der Familie Robinson aus, wo sie von 1840 bis 1845 tätig war. Danach blieb sie zu Hause und widmete sich verstärkt der Literatur. Kurz nach dem Tod ihrer Schwester Emily erkrankte auch sie an der Tuberkulose, an der sie im Alter von nur neunundzwanzig Jahren starb.
* Anne nahm im April 1839 im Haus der Familie Ingham ihre erste Stellung als Gouvernante an, die sie aber zu Weihnachten schon wieder aufgab. Im Jahr darauf ging sie zur Familie Robinson nach Thorp Green, das ihr später als Vorbild für Horton Lodge dienen sollte. Mitte Juni 1845 gab Anne ihre Stelle dort auf, vielleicht wegen ihres Bruders Branwell, den sie bei den Robinsons eingeführt hatte, was er ihr damit dankte, dass er der Hausherrin schöne Augen machte. (Anm. d. Hrsg.)
Doch das Leben als Gouvernante ist nicht leicht. Ständig wird Agnes von ihren verschiedenen Arbeitgebern drangsaliert, die Kinder, wie könnte es anders sein, entpuppen sich als rechte Rangen, die alles dafür tun, ihr das Leben so schwer wie nur möglich zu machen.
Da aber Anne das Buch geschrieben hat (und nicht etwa Emily) findet Agnes schließlich doch noch ihr Glück. Zwar müssen zuvor noch einige Hindernisse überwunden werden, doch irgendwann gewinnt sie doch noch die Liebe eines Vikars. Happy End.


[...] auf einen Schlag herausbrachten**, neben Charlottes Jane Eyre auch die Sturmhöhe (Emily) und Agnes Grey [...]
[...] aber kam das Brontë-Wunderjahr 1847: Charlottes Jane Eyre wurde genauso veröffentlicht wie Annes Agnes Grey und Emilys Wuthering [...]