Eine Kuh als Literaturkritikerin

P. G. Wodehouse ist einer der populärsten englischsprachigen Schriftsteller. Davon zeugt auch das Verhalten einer Kuh.


Nicht immer ist es ganz leicht, mit Kritik umzugehen. Doch sollte man dabei nie vergessen, dass einer dieser professionellen Quengler und Nörgler meist eh keine Ahnung hat, zumindest nicht mehr als eine Kuh. Das weiß jedes Kind (oder sollte es zumindest wissen), schwarz ärgern sollte man sich eines Tadels wegen also niemals im Leben.

Das wusste wohl keiner besser als der englische Humorist P. G. Wodehouse, der sich in seiner (natürlich mit einem leisen Augenzwinkern zu lesenden Autobiografie) Over Seventy in einem Kapitel mit dem Verhältnis zwischen Kritiker und Kritisiertem auseinandersetzt (→ Wodehouse 2009, S. 77).

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Dekan Swift schließt eine Ehe

Jonathan Swift durfte auch Ehen schließen. Manchmal geschah dies unter recht eigentümlichen Umständen.


Als Dekan der St. Patricks Kathedrale von Dublin besaß der irische Schriftsteller Jonathan Swift auch das Recht, ein junges Paar zu verheiraten. In einer Kirche musste die Zeremonie damals nicht unbedingt abgehalten werden, auch auf Zeugen oder ein Aufgebot durfte man gerne verzichten – die Ehe war trotzdem gültig.

Das hatte natürlich den unschätzbaren Vorteil, dass man einander jederzeit und überall das Jawort geben konnte, ein großes Brimborium war ganz und gar unnötig. Auch Swift hat zumindest einmal eine solche Ehe geschlossen, und zwar eine, wie es sie nur selten gibt unter der Sonne.

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Scott hat fertig

Sir Walter Scott brauchte eine Weile, bis er seinen Roman Rob Roy endlich abgeschlossen hatte. Seine Freude darüber brachte er in einem Vierzeiler zum Ausdruck.


Blut und Wasser hatte er wohl geschwitzt, doch zu guter Letzt war der schottische Barde Sir Walter Scott doch noch zum Ziel gelangt: sein Roman Rob Roy war endlich fertig. Er atmete einmal tief durch, schickte seinem Drucker die letzten Korrekturbogen des neuen Werks und legte noch einen kleinen Vierzeiler bei, der deutlich machte, wie schwer sich Scott mit der Abfassung des Stücks wirklich getan hatte:

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Goethe besäuft sich

Anekdoten über Goethe gibt es viele. Ob die von Eduard Genast übermittelte Gesichte über Goethes Besäufnis der Wahrheit entspricht, ist freilich schwer zu sagen.


Der Schauspieler Eduard Genast erwähnt in seinem Büchlein Aus dem Tagebuche eines alten Schauspielers ein Gespräch vom 27. August 1818 zwischen Goethe, dessen Arzt Wilhelm Rehbein und Goethes Diener Karl Stadelmann.

Danach hatte Goethes Diener zwei Flaschen Rotwein nebst zwei Gläsern in Goethes Räumlichkeiten abgestellt, welche, nachdem Goethe aufgestanden war, von jenem mit großem Genusse ausgetrunken worden sein sollen. Als Rehbein eintrat, sagt Genast, habe sich folgender Dialog entspannt:

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Shakespeares Eroberung

Auch zu William Shakespeare sind einige Anekdoten bekannt. So soll er einmal den Schauspieler Richard Burbage auf recht drollige Art aus dem Feld geschlagen haben.


Viel weiß man nicht von Shakespeare, er soll aber der Damenwelt recht zugeneigt gewesen sein. Davon zeugt auch die Anekdote um den Schauspieler Richard Burbage, der in Shakespeares König Richard der Dritte die Hauptrolle spielte. Laut John Manningham hatte sich eine junge Frau damals wohl so sterblich in Burbage verliebt, dass sie sich mit ihm zu einem Stelldichein verabreden wollte.

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Kleist besucht eine Bibliothek

Die großen deutschen Klassiker stehen meist nur in den Regalen, gelesen werden sie kaum. Das war schon vor 200 Jahren so.


Goethe, Wieland und Schiller werden heute wohl kaum noch gelesen, seis drum. Doch auch vor mehr als 200 Jahren standen sie offenbar nicht überall hoch im Kurs, mancherorts waren ihre Schriften alles andere als populär.

Dies zumindest ist jenem Briefe zu entnehmen, den Heinrich von Kleist am 14. September 1800 seiner Verlobten Wilhelmine von Zenge schrieb. Dort lesen wir mit Erstaunen das Folgende:

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Mathematik und Poesie

Wie reagiert ein Mathematiker, wenn ein Dichter in einem Gedicht eine mathematisch ungenaue Angabe macht? Charles Babbage jedenfalls schrieb einen Brief.


So ein Einwand kann wohl nur von einem Mathematiker kommen. Und Charles Babbage (1791 bis 1871) war ja nicht irgendwer, immerhin hatte er an der Universität Cambridge die Professur für Mathematik am Lucasischen Lehrstuhl für Mathematik inne und entwickelte das Konzept einer programmierbaren Rechenmaschine.

Kein Wunder also, dass er Anstoß nahm an zwei mathematisch ungenauen Versen, die der junge Lord Alfred Tennyson (1809 bis 1892) in seinem Gedicht ›The Vision of Sin‹ verwendet hatte.

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Ein Herz und eine Seele

Das Ehepaar Shelley nimmt in der Literaturgeschichte einen ganz besonderen Platz ein. Auch ihre Liebe war außergewöhnlich. In der Tat konnte Mary selbst nach Percys frühem Tod nicht ganz von ihrem Gatten lassen.


Wer kennt das nicht? Da fällt einem ein Andenken in die Hände, das so wertvoll und selten ist, dass man sich um keinen Preis der Welt davon trennen kann. Also behält man es und gibt es nicht mehr her. Ein Extremfall in dieser Hinsicht war sicherlich die Frankenstein-Autorin Mary Shelley, die das Herz ihres verstorbenen Gatten im eigenen Haus verwahrte und zeit ihres Lebens quasi als heilige Reliquie verehrte.

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Isaac Asimov und der Computer

Isaac Asimov war als Schriftsteller und Biochemiker weltberühmt. Doch wie hielt es der Autor vieler Science-Fiction-Romane mit Computern?


Bei Anekdoten weiß man im Grunde nie, woran man ist. Darf man sie für bare Münze nehmen, auch wenn sie noch so unglaubwürdig sind? Wahrscheinlich nicht. Doch ob wahr oder unwahr, unterhaltsam sind sie in jedem Falle. Exemplarisch mag die Geschichte sein, die, wenn sie denn den Tatsachen entspricht, ein bezeichnendes Licht auf den Schriftsteller und Biochemiker Isaac Asimov (1920 bis 1992) wirft.

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Diagnostizieren mit Agatha Christie

Lesen bildet. Selbst die Lektüre eines simplen Kriminalromans kann manchmal von großem Nutzen sein. Ein Fall aus dem Jahr 1977 beweist dies.


Kriminalromane zu lesen, kann durchaus von großem Nutzen sein. So zum Beispiel auch in dem Fall, den die London Times in ihrer Ausgabe vom 23. Juni 1977 beschrieben hat (→ Winkworth 1983, S. 208 f.).

Der Artikel handelt von einem 19 Monate alten Mädchen, die halbbewusstlos in ein Krankenhaus eingeliefert worden war. Die Differentialdiagnose brachte kein Ergebnis, die Ärzte standen vor einem Rätsel.

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