Arno Schmidt und David Winer

Wer Arno Schmidts Gelehrtenrepublik liest, lernt auch Charles Henry Winer kennen, der als Verfasser der zur Entstehungszeit in der Zukunft (2008) angesiedelten Geschichte zeichnet.

Dabei handelt es sich um den fiktiven Urgroßneffen Schmidts, dessen Großneffe David Winer sehr wohl sehr real ist. Die Großmutter des in der Computerszene allgemein bekannten Winer war Schmidts früh in die USA ausgewanderte Schwester Lucy.

Von Goethe – oder nicht?

Johann Wolfgang Goethe hat ein umfangreiches Werk hinterlassen. Der bekannte Kanon ist in der Tat gewaltig. Könnte er aber nicht sogar noch größer sein? Zugeschrieben werden ihm jedenfalls noch viele weitere Texte. Doch stammen sie wirklich von Goethe?


Goethe hat enorm viel geschrieben, so viel ist klar. Doch nicht alles, was mit seinem Namen gezeichnet ist, ist auch tatsächlich seiner Feder entflossen. Als Beispiel sei nur jener berühmte Aufsatz genannt, der sich mit der rechtlichen Stellung des Flohs in der Gesellschaft befasste. Schon im Vorwort der Juristischen Abhandlung über die Flöhe, deren erste Auflage im Jahre 1839 in Berlin erscheinen ist (also sieben Jahre nach des Dichters Tod), wird auf Goethe verwiesen:

Es ist nicht unbekannt, daß Goethe in den verschiedenen Zeiten seines Aufenthalts zu Leipzig, Straßburg und Wetzlar mehrere juristische Abhandlungen schrieb, von denen jedoch keine unter seinem Namen erschienen ist. Dahin gehört auch nachfolgendes, die rechtlichen Verhältnisse der Flöhe betreffendes Werkchen, dessen Entstehung wahrscheinlich in die Zeit, wo sich Goethe zu Straßburg aufhielt, fällt.

[Ausgabe von 1864: Vorwort, S. iii]

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Über den Alexandriner

Dichter benutzen verschiedene Formen, um ihren Gedichten eine bestimmte Gestalt zu geben. Dazu gehört auch der Alexandriner.


Der Alexandriner ist ein sechshebiger jambischer Vers mit einer Binnenzäsur nach der dritten Hebung, bestehend aus 12 (bei stumpfen, männlichen Ausklang) oder 13 Silben (bei klingendem, weiblichen Ausklang). Hier ein Beispiel aus der Feder Goethes:

Daneben braucht man auch, ich kann es nicht verschweigen,
Entferntes Holz und Kalk und Schiefer und dergleichen.

[Faust. Der Tragödie zweiter Teil: Vierter Akt,  V. 11.029 f.]

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Charles Dickens weint um einen Engel

Charles Dickens war mit einer Frau verheiratet, die ihm zehn Kinder schenkte. Geliebt hat er aber eine andere, die früh verstorbene Schwester seiner Gattin.


Als Mary Hogarth im Alter von nur 17 Jahren starb, genügten Charles Dickens drei Worte, um seine Schwägerin zu beschreiben: jung, schön, gütig (young, beautiful and good). Es sind quasi Worte für die Ewigkeit, denn noch heute zieren sie Marys Grabstein auf dem Friedhof von Kensal Green in London.

Wie viel ihm seine Schwägerin bedeutete, wird deutlich, wenn wir daran denken, dass Dickens genau diese Worte auch verwendete, um gleich drei seiner Frauenfiguren zu beschreiben: Rose Maylie aus Oliver Twist, Little Nell aus dem Raritätenladen und Florence Dombey aus Dombey und Sohn.

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Die zwölf Ehen des Fred Denger

Manche Menschen heiraten öfter als andere Menschen. Zu den Heiratswütigen zählte auch der Dichter Fred Denger.


Der deutsche Dichter Fred Denger hatte ein ganz besonderes Hobby: Er heiratete gern und oft. Insgesamt elf Frauen gab der gebürtige Darmstädter das Jawort, einer davon gleich zweimal hintereinander (→ Kort 2003, S. 89 ff.).

Dass Denger (1920 bis 1983), der mit seinem Stück Wir heißen euch hoffen (1948) bekannt wurde, dabei am Schluss ein wenig den Überblick verlor und einmal auch seine eigene Schwiegertochter ehelichte, ist angesichts seines wilden Lebensstils nicht weiter verwunderlich.

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Fanny Burney

Zu den beliebtesten britischen Autorinnen des 18. und 19. Jahrhunderts zählte ganz ohne Zweifel auch Fanny Burney (1752 bis 1840). Tatsächlich wurde kaum ein anderer Autor jener Zeit so oft gelesen wie Burney, deren Romane und Tagebücher vom Publikum geradezu verschlungen wurden.

In Deutschland aber kennt sie kaum einer, da ihre Bücher so gut wie nie ins Deutsche übersetzt worden sind. Eine Ausnahme bildet ihr Erstlingswerk, das erstaunlicherweise nur ein Jahr nach der Veröffentlichung des Originals auch auf Deutsch vorlag: Evelina oder eines jungen Frauenzimmers Eintritt in die Welt (Leipzig: Schwickert 1779). Sonst aber Fehlanzeige. Das ist traurig. Eine moderne Übersetzung ihrer Bücher täte wirklich not.

Bettine von Arnim und Christiane von Goethe

Was geschieht, wenn zwei Frauen um einen Mann streiten? Bettine von Arnim und Christiane Goethe haben es vorgemacht.


Wenn zwei Frauen miteinander einen Streit ausfechten, können mitunter schon mal die Fetzen fliegen. So geschehen auch vor knapp 200 Jahren, als die jungverheiratete Bettine von Arnim (geb. Brentano) mit Frau von Goethe aneinandergeriet.

Einige Monate nach ihrer Hochzeit am 24. Februar 1811 zog es das Ehepaar Arnim nach Frankfurt, wo sie Bettines Verwandten ihre Aufwartung machen wollten. Freilich ließen es sich die beiden nicht nehmen, zwischendurch auch einmal einen Abstecher nach Weimar zu machen, wo sie sich vom 25. August bis zum 21. September aufhielten und häufig bei Goethes zu Gast waren.

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