Gertrude Stein hat einst den Begriff von der ›Lost Generation‹ geprägt. Zu dieser ›verlorenen Generation‹ gehörten all jene amerikanischen Autoren, die, in den Jahren um 1900 geboren, im Ersten Weltkrieg gekämpft, angesichts des dort erlebten Grauens vollkommen desillusioniert und zerschlagen das Schlachtfeld verlassen und sich schließlich zu Beginn der Zwanzigerjahre in Paris niedergelassen hatten. F. [...]
Posts under ‘Rezensionen’
Der Steppenwolf
Die Lieder kennt wohl fast jeder. ›Born to Be Wild‹ und ›Magic Carpet Ride‹ sind tatsächlich auch heute noch in aller Munde, auch wenn sie inzwischen schon mehr als vierzig Jahre auf dem Buckel haben. Das war auch die Hoch-Zeit der Hardrockband, die zunächst als The Sparrows durch die Lande zog, bevor sie später als [...]
Rot und Schwarz
Antoine Berthet war ein junger Stutzer, dessen Fall im frühen neunzehnten Jahrhundert in Frankreich für reichlich Aufregung sorgte. Tatsächlich erregte die so genannte Affäre Berthet auch die Aufmerksamkeit des französischen Schriftstellers Stendhal, der sich ausführlich über den Fall* informierte und in der Nacht vom 25. auf den 26. Oktober 1829 mit der Niederschrift seines Romans [...]
Die toten Seelen
Es ist fast so wie bei den Ferengi*: Profit und Ertrag sind das Wichtigste im Leben, andere Werte sind nicht weiter von Belang. In der Tat geht es in Nikolai Gogols Roman Die toten Seelen nicht viel anders zu als bei eben jenen Kreaturen, die wohl auch die eigene Mutter verkauften, so es denn einen [...]
This Side of Paradise
Es ist ein ganz und gar typisches Erstlingswerk. Alle möglichen literarischen Arten und Formen sind darin vertreten, von der fiktionalen Erzählung über einen Einakter bis hin zu Briefen, Gedichten und mancherlei kleinen Skizzen; ein buntes Gemisch verschiedenartigster Stilarten also, ein kunterbuntes Potpourri, das in den meisten Fällen vollkommen unlesbar ist – wenn es denn von [...]
Buddenbrooks
Hemingway fand das Buch recht gut. Oder zumindest nicht ganz schlecht, wenn wir einen Blick auf die beiden Briefe werfen, die er seinem Kumpel Scott Fitzgerald am 15. Dezember 1925 (Baker, S 129) und Archibald MacLeish (Baker, S. 133) nur fünf Tage später schrieb. Und das will was heißen, denn sonst hat Hemingway* ja wohl [...]
Jahrgang 1902
1902 – das war das Jahr, als der Burenkrieg in Südafrika zu Ende ging, Kuba seine Unabhängigkeit von den USA erhielt, der Altertumswissenschaftler Theodor Mommsen den Literaturnobelpreis* zugesprochen bekam, der Ausbruch des Mont Pelé auf der Antilleninsel Martinique etwa dreißigtausend Todesopfer forderte, die ersten Mitglieder den Madrid Foot Ball Club (vulgo Real Madrid) amtlich als [...]
Flappers and Philosophers
Amerika in den 1920er-Jahren, eine Zeit wie es sie wohl nie davor und nicht mehr danach gegeben hat. Der Erste Weltkrieg war vorüber, das Land entwickelte sich zur Weltmacht, die Wirtschaft brummte, die Menschen genossen ihr Leben in vollen Zügen, die Zukunft war kein großes Thema, man lebte im Hier und Jetzt, immerzu zum Sound [...]
The Beautiful and Damned
Hemingway, klar, den kennt jeder; auch Faulkner ist bekannt, Updike natürlich, aber Fitzgerald? Gehört der wirklich zu den herausragenden Autoren Amerikas? Noch heute darf man diese Frage stellen, zumindest hierzulande, in den USA selber ist das mittlerweile glücklicherweise ganz anders geworden. Dort weiß inzwischen wohl jeder, dass Scott Fitzgerald eben nicht nur der versoffene, heruntergekommene, [...]
Väter und Söhne
Auch so etwas gibt es also: einen Roman aus Russland, der kaum mehr als zweihundertvierzig Seiten umfasst. Das ist in der Tat erstaunlich, sind die russischen Autoren doch sonst dafür bekannt, das Leben eines Gutsbesitzers, eines Adligen oder einer Offizierstochter in zwei oder drei Bänden zu beschreiben, jeder davon wohl an die tausend Seiten stark. [...]
