Der Untergeher

Glenn Gould war nicht nur Klavierspieler von Weltruf, er war auch ein höchst eigenwilliger Charakter. Ein Grund, weshalb ihn Thomas Bernhard in den Mittelpunkt eines lesenswerten Romans gestellt hat: Der Untergeher.


Daten zum Buch

  • Autor: Thomas Bernhard
  • Titel: Der Untergeher
  • Genre: Roman
  • Verlagsort der Erstausgabe: Frankfurt am Main
  • Verleger: Suhrkamp Verlag
  • Erscheinungsjahr: 1983

Wer wohl der wichtigste Klaviervirtuose des 20. Jahrhunderts gewesen ist? Von den dreien, die sich 1953 während eines Musikkurses bei Horowitz in Salzburg kennen lernen, kommt jedenfalls nur einer in Frage, Glenn Gould.

Diesem Titanen sind die anderen beiden weit unterlegen, der Erzähler genauso wie Wertheimer, den sie nur den ›Untergeher‹ nennen. Der Olymp ist für sie beide nicht zu erreichen, damit müssen sie leben. Können sie das aber?

Wertheimer zumindest kann es nicht, er geht daran zugrunde. Seine Schwester, mit der er eine Wohnung teilt, kann er zwar gängeln – sonst ist er zu nichts mehr fähig.

Als aber die Schwester auf einmal sich verheiratet – was dann? Er weiß es nicht. Als dann auch noch der Titan im fernen Kanada stirbt, weiß Wertheimer nur noch einen Ausweg: er bringt sich um.

Derweil arbeitet der Erzähler in Madrid wieder einmal an einem Manuskript über Glenn Gould. Doch als er die Nachricht vom Selbstmord seines Freundes erhält, entwickeln sich seine philosophischen Betrachtungen in eine andere Richtung. Seine Gedanken wandern von Gould, dem Titanen, zu seinem Freund, Wertheimer, dem Untergeher.

Nicht alles in dem 1983 von Thomas Bernhard veröffentlichten Text ist fiktiv, nicht alles real. Ist der Glenn Gould des Romans tatsächlich mit dem wirklichen gleichzusetzen?

In manchen Punkten schon, in anderen nicht. Das zeigt sich gleich zu Beginn, als der Erzähler davon spricht, dass Gould nur 51 Jahre alt geworden sei. Das kommt der Wahrheit zwar recht nahe, stimmt aber nicht: Der echte Gould, der 1955 mit seiner Aufnahme der Goldberg-Variationen von Johann Sebastian Bach weltberühmt geworden ist, starb kurz nach seinem 50. Geburtstag.

Außerdem darf nicht vergessen werden, dass die dargestellte Konstellation im realen Leben so gut wie undenkbar gewesen wäre. Wenn es nämlich jemanden gegeben hat, bei dem der echte Gould bestimmt nicht studiert hätte, dann war das Wladimir Horowitz. So viel steht fest.