Flappers and Philosophers

Scott Fitzgerald war zu seiner Zeit der großartigste Schriftsteller der USA. Wer ihn einmal im Original genießen will, sollte zu diesem Hörbuch aus dem Hause Bertz + Fischer greifen: Flappers and Philosophers.


Daten zum Buch

  • Autor: F. Scott Fitzgerald
  • Titel: Flappers and Philosophers
  • Genre: Erzählungen
  • Verlagsort der Erstausgabe: New York
  • Verleger: Charles Scribner’s Sons
  • Erscheinungsjahr: 1920

Amerika in den 1920er-Jahren, eine Zeit wie es sie wohl nie davor und nicht mehr danach gegeben hat. Der Erste Weltkrieg war vorüber, das Land entwickelte sich zur Weltmacht, die Wirtschaft brummte, die Menschen genossen ihr Leben in vollen Zügen, die Zukunft war kein großes Thema, man lebte im Hier und Jetzt, immerzu zum Sound des Hot Jazz den Charleston tanzend.

Sicher, Dekadenz und Extravaganz waren die Markenzeichen des Jazz Age, wie die 20er-Jahre gerne genannt werden, doch es war auch eine Zeit, da die Frauen, die damals mit Vorliebe ihre Kleider wie ihre Haare kürzen ließen, eine viel gewichtigere Rolle einzunehmen begannen als zuvor.

Als Chronist jener Jahre darf ganz eindeutig der amerikanische Schriftsteller Scott Fitzgerald gelten, der zusammen mit seiner Ehefrau Zelda selbst für alles das steht, was gut und was schlecht war während des Jazz Age. Zu seinen wichtigen Werken zählt auch der Erzählband Flappers and Philosophers, den der Berliner Film- und Hörbuchverlag Bertz + Fischer jetzt in seiner Hörbuchreihe englischsprachiger Klassiker als MP3-CD veröffentlicht hat, wie immer im Original und ungekürzt. Wie auch schon im Falle von The Beautiful and the Damned zeichnet auch diesmal wieder der amerikanische Synchron- und Hörbuchsprecher William Dufris als Vorleser.

Acht Kurzgeschichten umfasst der Band, der am 10. September 1920 bei Scribners erschienen ist, nur fünf Monate nach seinem Roman This Side of Paradise (dt. Diesseits vom Paradies), mit dem Fitzgerald über Nacht bekannt geworden war:

  1. The Offshore Pirat
  2. The Ice Palace
  3. Head and Shoulders
  4. The Cut Glass Bowl
  5. Bernice Bobs Her Hair
  6. Benediction
  7. Dalyrimple Goes Wrong
  8. The Four Fists

Sämtliche Erzählungen waren vorher schon in diversen Zeitschriften erschienen, so in Smart Set, der Saturday Evening Post oder dem Scribner’s Magazine. Die Kritiken waren gemischt, zumeist aber negativ, die New York Times war aber durchaus angetan, wie man der Aussage des Rezensenten entnehmen kann, der in seiner Kritik vom 26. September 1920 klar erkannt hatte, dass selbst die oberflächlichste Leserin Fitzgeralds Talent und Genie nicht verkennen könne.

Letztlich war die Meinung der Kritiker aber ohnehin vollkommen egal, dem Publikum gefiel die Kollektion nämlich ausnehmend gut – und nur darauf kommt es schließlich an. Woran dies aber liegen mag? Nun, Fitzgerald schrieb diese Geschichten für ein Lesepublikum, das sich nichts aus althergebrachten Qualitätskriterien eines intellektuellen Besserwissers machte (verkalkte alte Männer zumeist, die verbiestert über einem Buche sitzen und nicht schnell genug mit dem Stift bei der Hand sein können, um all jene Stellen anzustreichen, die ihnen niveaulos erscheinen; doch genug davon, über diese armen Geister wollen wir hier nicht richten.) Nein, seine Leserinnen wollten einfach nur gut unterhalten werden – und wer bei der Lektüre von Fitzgeralds Erzählungen kein Vergnügen empfindet, dem ist eh nicht mehr zu helfen.

Klar ist auch, dass wahrscheinlich jede Leserin einer anderen Geschichte den Vorzug geben wird – und das ist auch gut so. De gustibus non est disputandum, wie schon die Alten sagten, über Geschmack lässt sich nicht streiten: jeder möge doch bitte für sich selbst entscheiden, welche Erzählung ihm am meisten zusagt.

Am bekanntesten ist sicher die Geschichte um Bernices Bubikopf (Bernice Bobs Her Hair), nach deren Lektüre wir uns fragen, wo Fitzgerald wohl seine Gardenienmädchen kennen gelernt haben mag. Die Handlung dieser Geschichte wird übrigens all denjenigen bekannt vorkommen, die den Film Mean Girls (2004, dt. Girls Club – Vorsicht bissig!) gesehen haben. Ob die großartige Tina Fey sich von Fitzgerald hat inspirieren lassen?

Nicht nur Bernice ist eine junge Frau von knapp 19 Jahren, auch sonst begegnen uns fast überall diese Backfische, die in der amerikanischen Umgangssprache als flappers bezeichnet werden, modische Mädchen der 20er-Jahre, die in irgendwelchen abgehobenen Sphären schweben und denken, das Leben bestehe nur aus Tanzbällen und anderen gesellschaftlichen Genussveranstaltungen. Das ist vergleichbar mit heute, auch wenn junge Frauen zu Beginn des 20. Jahrhunderts ganz sicher ein etwas anderes Selbstverständnis besaßen als jetzt.

Nun stellt sich freilich die Frage, warum jemand wie Fitzgerald, der nachweislich als Mann durchs Leben gegangen ist, sich so gut in das Seelenleben dieser jungen Frauen hineinversetzen konnte. Wir wissen es nicht. Vielleicht aber deshalb, weil er in seiner Gattin Zelda, die er im April 1920 geheiratet hatte, diesen Typ Frau immer vor Augen hatte?

Das Rezensionsexemplar wurde uns freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.