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Jahrmarkt der Eitelkeit

William Makepeace Thackeray: Jahrmarkt der Eitelkeit. München 2011 (Bild: Deutscher Taschenbuch Verlag)

Ein schöner Tag ist es schon, dieser Junimorgen im zweiten Jahrzehnt des neunzehnten Jahrhunderts, als eine Familienkutsche vor Miss Pinkertons Erziehungsinstitut für junge Damen vorfährt, um gleich zwei Elevinnen besagten Instituts abzuholen – zwei junge Frauen, die allerdings kaum unterschiedlicher sein könnten in ihrem Wesen: Amelia Sedley die erste, eine ganz Liebe, folgsam, brav und sanft, siebzehn Jahre alt, der Vater Kaufmann von Beruf und durchaus wohlhabend zu nennen; Rebekka (vulgo Becky) Sharp die andere, eine ganz Kesse, dreist, respektlos und frech, neunzehn Jahre alt, früh verwaiste Tochter eines mittellosen englischen Malers und einer französischen Tänzerin.

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Der Prozess

Franz Kafka: Der Prozess. Frankfurt am Main 2011 (Bild: Fischer Verlag)

Das ist sicher nicht die schönste Art, seinen dreißigsten Geburtstag zu begehen. Gleich am frühen Morgen nämlich bekommt der Bankbeamte Josef K. Besuch von zwei mysteriösen Wächtern, die ihn wie nebenbei für verhaftet erklären und ihn dann auch gleich noch im Schlafzimmer der Nachbarin verhören.

Noch abstruser wird die Angelegenheit dadurch, dass K. den Grund für die Verhaftung nicht erfährt. Ein Verbrechen hat er ganz offenbar nicht begangen, aber das ist wohl unwichtig. Die Behörden, sagt einer der Wächter, seien nun mal unfehlbar.

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Anne Frank und ihre Tagebücher

Warum gibt es auch heute noch mehr als genug Eierköpfe, die nachzuweisen versuchen, dass Anne Franks Tagebücher nicht authentisch, sondern vielmehr erst nach dem Kriege entstanden sind – zu einem Zeitpunkt also, da Anne Frank lange schon tot war?

Der erste Grund ist wohl der, dass mehrere Versionen des Tagebuchs existieren. Anne Franks Vater Otto hat in die vorliegenden Manuskripte genauso eingegriffen wie es später dann auch noch die Verlage vor der Veröffentlichung getan haben (Lipstadt, S. 357). So sind in den einzelnen Ländern ganz unterschiedliche Fassungen auf den Markt gekommen, je nachdem wie freizügig es damals in einem Lande zugegangen ist. (Anne Frank hatte nun mal so eine Art an sich, recht offenherzig über Gott und die Welt zu reden.)

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Tristram Shandy

Laurence Sterne: Tristram Shandy. Frankfurt am Main 2010 (Bild: Fischer Verlag)

Eins ist doch wohl klar: Wer bei der Eheschließung einen Vertrag abschließt, der sollte besser auf jede Klausel Acht geben. Denn es soll ja durchaus den einen oder anderen Herrn geben, der darauf besteht, dass seine Gemahlin in einem ganz bestimmten Falle ihres Rechtes verlustig gehe, ihr Kind in der wohligen Umgebung einer Großstadt auf die Welt bringen zu dürfen. Dann nämlich, wenn sie sich die Unverfrorenheit erlauben sollte, ihren Mann der Unbequemlichkeit und den Kosten einer solch beschwerlichen Reise auszusetzen – durch falsche Schreie zum Beispiel oder anderer Anzeichen wegen.

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Die Brüder Karamasow

Fjodor Dostojewski: Die Brüder Karamasow. Frankfurt am Main 2008 (Bild: Insel Verlag)

Wann genau Dostojewski mit der Arbeit an seinem Roman begonnen hat, lässt sich im Nachhinein nicht mehr genau feststellen. So viel ist immerhin klar: Mit der Niederschrift begann er im Dezember 1878, wenige Monate nachdem sein zweiter Sohn Aljoscha im Alter von zwei Jahren und neun Monaten gestorben war. Das ist nicht ganz unwichtig, da er nach dem Tode seines Sohnes für eine Weile in ein Kloster gezogen war, wo er einem Mönch begegnete, der ihm später als Vorbild für die Figur des Abts Sosima dienen sollte.

Noch wichtiger für Dostojewski war aber eine Bekanntschaft aus der Zeit seiner Festungshaft in Omsk in den Jahren 1850 bis 1854: Einer seiner ehemaligen Mithäftlinge, der Unterleutnant a. D. Iljinski, saß als angeblicher Vatermörder zehn Jahre lang unschuldig im Zuchthaus, ehe der wahre Täter gefunden wurde.

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Krieg und Frieden

Leo Tolstoi: Krieg und Frieden. Frankfurt am Main 2011 (Bild: Fischer Verlag)

Der Titel ist leider etwas einfallslos: zwei harte Hauptwörter, ein alltägliches Bindewort – und das war’s dann auch schon? Etwas kreativer hätte es dann aber schon sein können, oder? Krieg und Frieden also, das dicke Buch, das heute wahrscheinlich eh kein Mensch mehr liest*, von den Tolstoi-Verehrern mal abgesehen (von denen es immerhin zwei oder drei geben soll – heißt es zumindest). Dabei lohnt sich die Lektüre durchaus, auch wenn sie natürlich etwas länger dauert als bei anderen, weniger dicken Büchern. Nett zu lesen ist es in jedem Fall, warum also nicht den Versuch wagen?

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Peter Pan

Peter Pan (Bild: Bertz + Fischer)

Normalerweise wollen Kinder nur eins: so schnell wie möglich erwachsen werden. Und doch gibt es Ausnahmen, nicht jeder will wirklich ein Großer sein. So auch der kleine Peter Pan, der Junge, der sich einfach weigert, erwachsen zu werden.

Das ewige Kindsein hat Vor- und Nachteile. Die tollsten Abenteuer erlebt er ja auf der Insel Neverland, vor allem dann, wenn er gegen die bösen Piraten und deren Kapitän Hook kämpfen muss. Anführer der Verlorenen Jungs ist er obendrein, er kennt Indianerprinzessinnen wie Tiger Lily und hübsche Feen (so nette wie die kleine Tinker Bell zum Beispiel) – wenn das mal keinen Spaß macht. Und außerdem kann er fliegen – kann es etwas Schöneres geben?

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Elf in den USA verbotene Bücher

1. The Merchant of Venice (1600, dt. Der Kaufmann von Venedig)
Wegen der Figur des Shylock ist die Komödie des englischen Barden William Shakespeare (1564 bis 1616) schon häufig kritisiert worden. Ganz besonders arg war es 1931, als das Stück auf Druck jüdischer Organisationen sogar vom Schulplan in Buffalo und Manchester (New York) gestrichen worden ist. Ob die Lektüre, wie behauptet, tatsächlich die Intoleranz fördert, darf aber durchaus als fraglich gelten.

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Elf vom Vatikan verbotene Bücher

1. Introductio ad theologiam (12. Jh., dt. Einführung in die Theologie)
Der französische Philosoph Pierre Abaillard (1079 bis 1142) erlebte noch mit, wie die Kirche im Jahr 1140 alle seine Schriften auf den Index setzte. Papst Innozenz III. ging sogar noch einen Schritt weiter und ordnete die Verbrennung der Abaelardschen Werke an. Der nachmalige Heilige Bernhard von Clairvaux sprach von Abaillard als Ausgeburt der Hölle und Vorläufer des Antichrist (aber nur als Vorläufer wohlgemerkt).

2. De Monarchia (frühes 14. Jh., dt. Über die Monarchie)
Weil der italienische Dichter Dante Alighieri (1265 bis 1321) in seiner Abhandlung über die Monarchie zu behaupten sich erdreistete, dass die Könige ihr Amt direkt von Gott erhalten, nicht aber vom Papst, setzte der damalige Stellvertreter Gottes auf Erden, Papst Paul IV., Dantes Werk im Jahr 1559 kurzerhand auf den Index.

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Versuch über Emily Brontë

In her white evening dress; with her long hair flowing full and wavy; with her noiseless step, her pale cheek, her eye full of night and lightning, she looked, I thought, spirit-like, – a thing made of an element, – the child of a breeze and a flame, – the daughter of ray and rain-drop, – a thing never to be overtaken, arrested, fixed.

[Chapter XXXVI]

Als so etwas wie einen Geist hat ihre Schwester sie also gesehen, als Kind von Wind und Feuer, wie aus einem Element entstanden, so wie sie dastand in ihrem weißen Abendkleid, mit ihren langen Locken, dem lautlosen Schritt, den bleichen Wangen und den blitzenden Augen, die so schwarz wie die Nacht, eine Tochter des Lichts und des Regentropfens, ein Wesen, das keiner kann fassen, einfangen oder fesseln.

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