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Der erste Satz

Der bekannteste Anfangssatz eines Romans stammt vielleicht von Edward Bulwer-Lytton. Mit seinem Einstieg hat der englische Autor sogar einen Wettbewerb inspiriert.

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Snoopy war bei den *Peanuts* alles: Weltkriegsflieger, Anwalt, Arzt, Golfprofi und manchmal auch Schriftsteller. Als solcher arbeitete er sein Leben lang an seinem Meisterwerk, das stets mit den immer gleichen Worten begann: ›It was a dark and stormy night.‹

Die Worte von der dunklen und stürmischen Nacht gehen freilich auf einen anderen Autor zurück. 1830 veröffentlichte der englische Romancier und Politiker Edward Bulwer-Lytton (1803 bis 1873) den Roman Paul Clifford, dessen erster Satz berühmt geworden ist. Hier ist er in seiner vollen Blüte:

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Grace Darling

Grace Darling ist in Deutschland kaum bekannt. In England aber ist sie eine Heldin, deren Name auch in der englischsprachigen Literatur immer wieder genannt wird.

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Der englische Romantiker William Wordsworth (1770 bis 1850) veröffentlichte 1843 eine Hymne auf eine junge Frau, die in England noch heute als Heldin verehrt wird: Grace Darling. Hier die beiden Schlussverse der Lobpreisung, die insgesamt doch ein wenig peinlich geraten war:

Might carry to the clouds and to the stars,
Yea, to celestial Choirs, GRACE DARLING’S name!

[Wordsworth 1888: ›Grace Darling‹]

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Kusinenliebe in Romanen

Im Leben kommt sie immer mal wieder vor, in Romanen war sie früher fast schon an der Tagesordnung: die Ehe zwischen Cousins und Cousinen ersten und zweiten Grades.

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Fanny Price macht alles falsch. Edmund kann nicht der Richtige für die Heldin von *Mansfield Park* sein, das weiß doch jeder. Und dennoch verliebt sie sich in ihn. Eine langweilige Transuse mag ja ihrem Typ entsprechen, trotzdem gehegt sie einen verhängnisvollen Fehler.

Das hat einen einfachen Grund. Fanny und Edmund sind nämlich als Cousin und Cousine ersten Grades im selben Hause aufgewachsen. Wie aber fast jeder weiß, ist es wenig ratsam, einander in einem solchen Falle das Jawort zu geben. Die Degeneration der Herrscherhäuser belegt das mehr als eindrucksvoll.

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Tanzstunden für Erwachsene und Fortgeschrittene

Autor: Bohumil Hrabal; Originaltitel: Taneční hodiny pro starší a pokročilé; Genre: Roman; Verlagsort der Erstausgabe: Prag; Verleger: Československý spisovatel; Erscheinungsjahr: 1964; deutsche Erstausgabe: Tanzstunden für Erwachsene und Fortgeschrittene (Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag 1965, Übersetzung: Franz Peter Kürzel)

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Der Soldat *Schwejk* war auch so einer. Richtig schöne Geschichten konnte der erzählen, genauso wie dieser alte Schuster hier, der einfach nur friedlich und nett mit einer jungen Maid plaudert. Was kann er ihr nicht alles aus seinem Leben berichten: wie sich damals beispielsweise zwei Schöne seinetwegen gegenseitig die Blusen zerrissen hätten; wie er vor dem Hoflieferanten Weinlich und dessen Vertretern Fogl und Vertsberger wie vor einem Schwurgericht gestanden habe; wie er in Meidling Wache geschoben und den Kaiser gesehen habe, als dieser der auf der Leiter stehenden Schratt wie Goethe einst unter den Rock geguckt habe. Ja, da wird die gute alte k.-u.-k.-Zeit wieder lebendig.

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Maximiliane von La Roche

Die junge Maximiliane von La Roche wurde von vielen Männern umschwärmt. Auch Goethe bemühte sich um sie, das Rennen machte aber Peter Anton Brentano.

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Ihre schwarzen Augen machten die Männer verrückt. Goethe war derart vernarrt in diese Augen, dass er sie seiner Lotte im Werther verpasste. Am liebsten hätte er die junge Maximiliane Euphrosine de La Roche sicherlich gerne noch sehr viel intimer kennen gelernt, doch im Hause La Roche war er nur zweite Wahl. Damit war er noch gut bedient, wurde doch die junge Maxe im literarischen Salon ihrer Mutter Sophie von La Roche von Männern so umschwärmt wie kaum eine andere Sechzen-, Siebzehnjährige ihrer Zeit.

Viel Zeit, ihr Leben zu genießen, hatte sie allerdings nicht. Schon am 9. Januar 1774 musste sie nämlich ihr Jawort geben. Damals war die am 3. Mai 1756 in Mainz geborene Maxe noch nicht ganz achtzehn Jahre alt. Der von den Eltern Auserwählte war Peter Anton Brentano, ein Kaufmann aus Frankfurt am Main, der aus seiner ersten Ehe mit Josepha Maria Walpurga Paula Brentano-Gnosso bereits sechs Kinder hatte. Und damit begann auch ihre Leidenszeit. Wie anders kann denn ein Zeitraum von achtzehn Jahren bezeichnet werden, in dem sie insgesamt zwölf Kinder zur Welt brachte, alle achtzehn Monate eines?

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Kestner und Goethe

In den *Leiden des jungen Werther* verarbeitete Goethe eine wahre Geschichte. Auch der Legationssekretär Johann Christian Kestner und die junge Charlotte Buff spielen darin eine entscheidende Rolle.

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Goethe war bekanntermaßen kein Kostverächter. Diese Erfahrung musste auch der Legationssekretär Johann Christian Kestner machen, dem in Goethe für kurze Zeit einmal ein Rivale erwuchs. Dies kam so:

Im Alter von nicht ganz 23 Jahren als Praktikant am Reichskammergericht in Wetzlar tätig, lernte Goethe am 9. Juni 1772 auf einem Tanzball in Volpertshausen Kestners Verlobte kennen, die neunzehnjährige Charlotte Buff. Goethe wollte sie dennoch erobern, was aber an Lottes Widerstand scheiterte, die ihm nicht mehr als einen zarten Kuss gönnte.

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Die Bräutigame der Babette Bomberling

Autorin: Alice Berend; Titel: Die Bräutigame der Babette Bomberling; Genre: Roman; Verlagsort der Erstausgabe: Berlin; Verleger: S. Fischer Verlag; Erscheinungsjahr: 1915

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Wer kennt heute schon noch Alice Berend? Kaum einer wohl. Das ist schade. Denn früher einmal, vor gut einem Jahrhundert, gehörte sie zu den erfolgreichsten Autorinnen ganz Deutschlands, deren Bücher damals ein großes Lesepublikum erfreuten. Wie also ist es möglich, dass Berend inzwischen nahezu vergessen ist?

Vielleicht finden wir eine Antwort, wenn wir einen kurzen Blick auf ihre letzten Lebensjahre werfen. Die am 30. Juni 1875 als Tochter eines jüdischen Fabrikanten in Berlin geborene Berend wurde nämlich von den Nationalsozialisten zum Schweigen gebracht. Wie ein Blick auf die berüchtigte Liste des schädlichen und unerwünschten Schrifttums zeigt, wo sie sie unter dem falsch geschriebenen Namen Alice Behrend geführt wurde, ließen die Nazis sämtliche ihrer Schriften verbieten – ihre Karriere als Schriftstellerin war damit in Deutschland beendet.

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