Schöne Rezensionen

Sprachführer zu rezensieren, ist nicht immer ganz einfach. Anton Kuh hat die Aufgabe allerdings souverän gemeistert.


Die schönsten Rezensionen sind meistens eher kurz. Die schönste kommt mit ganzen zwei Worten aus, auch die zweischönste ist nicht allzu umfangreich. Sehr gefällig ist auch eine Rezension aus der Feder des österreichischen Autors Anton Kuh (1890 bis 1941), der sich im Querschnitt (8/1930, S. 567) mit einem der damals wie heute so beliebten Sprachratgeber auseinandergesetzt hat: 1000 Worte Deutsch. Ein Sprachführer für Nachdenkliche von Franz Leppmann, 1930 im Ullstein Verlag erschienen.

Dass die Besprechung so kurz ausfiel, hatte wohl seinen guten Grund. Ganze neunmal musste sich Kuh korrigieren – und das, obwohl sein Text aus gerade einmal 162 Worten bestand. Aber so ist das mit der deutschen Sprache, Stolperfallen gibt es mehr als genug. Beispiele gefällig?

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Heinlein und die Church of All Worlds

In den USA sind religiöse Gemeinden bekanntermaßen in rauen Mengen zu finden. Eine davon ist die Church of All Worlds, deren Mitglieder auf die Wiedergeburt der Erdgöttin Gaia hoffen. Woher aber hatten die Gründer die Idee für diese Glaubensgemeinschaft? Aus einem Buch.

Die Vorlage stammt aus der Feder des amerikanischen Schriftstellers Robert A. Heinlein (1907 bis 1988): Der 1961 erschienene Roman Stranger in a Strange Land handelt von einem auf dem Mars geborenen Menschen, der als junger Mann zur Erde reist, dort eine ihm fremde Kultur kennen lernt und im Lauf der Handlung eine eigene Kirche gründet, die Church of All Worlds.

Der Roman ist auch auf Deutsch erschienen: 1970 brachte der Heyne-Verlag unter dem Titel Ein Mann in einer fremden Welt die erste deutsche Fassung heraus, 1996 veröffentlichte Bastei-Lübbe die erst 1991 auf Englisch erschienene ungekürzte Fassung unter dem Titel Fremder in einer fremden Welt.

Im Westen nichts Neues: Zahlen und Daten

Erich Maria Remarque ist mit seinem Antikriegsroman Im Westen nichts Neues ein Welterfolg geglückt. Allerdings ist die Frage nach der Zahl der verkauften Exemplare nicht ganz leicht zu beantworten. Von besonderem Interesse sind deshalb die Angaben, die in einer Ausgabe der Monatsschrift Der Querschnitt zu finden sind (Nr. 8, 1930, vor S. 567).

Dort werden die Zahlen von 23 verschiedenen Ausgaben genannt. Danach wurden in Deutschland bis zu jenem Zeitpunkt ›über 1.000.000 Exemplare‹ gedruckt, in Frankreich immerhin 440.000, in Russland 400.000, in England 360.000, in Nordamerika 325.000 und auch in Spanien lag die Auflage schon in sechsstelliger Höhe (105.000).

Zahlen werden auch für eine Jiddische Ausgabe (6700) und eine in Esperanto (2400) genannt. Die Gesamtauflage des Romans in 28 Sprachen betrug laut dieser Quelle damals ›fast 3 ½ Millionen‹ Exemplare. Da kann kaum ein anderes Buch mithalten.

Plagiatsjäger

Schon immer haben eifrige Menschen nach Plagiaten gesucht. Oft sind sie dabei über ihr Ziel hinausgeschossen.


Mit Plagiaten ist das immer so eine Sache. Manche finden sie verwerflich, andere wiederum halten sie für eine lässliche Sünde. Es ist freilich nicht immer ganz leicht herauszufinden, ob es sich überhaupt um ein Plagiat handelt oder nicht. Oft kommt es deshalb zu falschen Beschuldigungen, wie beispielsweise im Fall von Irmgard Keun.

Dies alles hindert allerdings niemanden daran, auch an den entlegensten Stellen nach einem abgekupferten Worte zu suchen – in der Hoffnung ganz offenbar, sich mal wieder richtig großtun zu können. Oder gibt es noch einen anderen Grund für dieses merkwürdige Gebaren? Wahrscheinlich nicht. Es ist nun mal ein äußerst beliebter Sport, andern eins auszuwischen.

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Arno Schmidt als Übersetzer

Arno Schmidt hat sich in Deutschland vor allem mit seinen zuweilen überaus eigenwilligen Romanen einen Namen gemacht. Er war allerdings auch als Übersetzer tätig.


Seine eigenen Bücher sind schwer zu lesen, vielen sind sie ganz und gar unverständlich. Dementsprechend klein ist die Zahl derer, die schon mal einen Roman von Arno Schmidt gelesen haben. Ein Kassenerfolg ist ihm zeit seines Lebens jedenfalls versagt geblieben.

Aber satt werden musste er trotzdem. Um des ›lieben Brotes willen‹, wie er es selbst gerne nannte (in seinem 1955 entstandenen Aufsatz ›Die Brotarbeit‹ beispielsweise), war er deshalb dazu gezwungen, sich auch anderen Tätigkeiten zu widmen. Und was konnte einer wohl machen, der nach dem Krieg schon einmal als Dolmetscher in einer Hilfspolizeischule gearbeitet hatte? Er übersetzte Bücher aus dem Englischen ins Deutsche.

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Frau Aja zum Namen Tristram

Laurence Sterne hat seinem Helden den Namen Tristram verpasst. Dass dies ein ganz und gar unmöglicher Name für ein Kind ist, wusste auch Goethes Mutter, die einst (in einem Brief an Caroline Großmann vom 19. Dezember 1777) deutlich gemacht hatte, welche Namen zu meiden seien:

Tausendt Element dachte ich wenn die liebe Frau ins Kindbett käme und wüßte unser nahmen nicht und sie Taufften das arme Kind in der Angst Ursula, Angnes, oder wohl gar Tristmegistus.

Alice im Wunderland

Zu unseren Lieblingsbüchern gehört auch das für viele schönste Buch der Welt: Alice im Wunderland von Lewis Carroll.


Daten zum Buch

  • Autor: Lewis Carroll
  • Titel: Alice’s Adventures in Wonderland
  • Genre: Roman
  • Verlagsort der Erstausgabe: London
  • Verleger: Macmillan and Co.
  • Erscheinungsjahr: 1865
  • Deutsche Erstausgabe: Alice’s Abenteuer im Wunderland (Leipzig: Johann Friedrich Hartknoch 1869, Übersetzung: Antonie Zimmermann)

Es gibt Bücher, über die man gar nicht viel sagen muss. Jeder kennt sie, jeder liebt sie, jeder hat sie bereits gelesen. Alice im Wunderland ist so eines dieser Bücher. Für viele ist es das schönste Buch der Welt. Und warum auch nicht? Die Geschichte ist wundervoll – und die beigefügten Illustrationen machen das Buch erst recht zu einem Juwel der Literaturgeschichte. Deshalb hat es auch seit vielen Jahren einen festen Platz auf der Liste unserer Lieblingsbücher.

Wie das Buch entstanden ist, haben wir schon an anderer Stelle dargelegt, deshalb hier ein kurzes Wort über den Autor. Der ist heute nur als Lewis Carroll bekannt, auch wenn sein eigentlicher Name Charles Lutwidge Dodgson lautete. Doch den benutzte er hauptsächlich in Oxford, wo er am dortigen Christ-Church-College Mathematik lehrte.

Sehr viel Zeit widmete er aber auch einer neuartigen Kunstform, die damals noch in den Kinderschuhen steckte. In der Tat sollte die Fotografie bald zu seinem Steckenpferd werden. Nun fällt freilich auf, dass er dabei eine merkwürdige Vorliebe entwickelte, die ihn heute durchaus in Erklärungsnot brächte. Als Motiv griff er nämlich auffallend häufig auf kleine Mädchen zurück, die mitunter sogar nackt waren – was damals allerdings nicht unüblich gewesen ist.

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Sturmhöhe – noch eine Übersetzung

Emily Brontë hat in ihrem kurzen Leben nur einen einzigen Roman geschrieben. Als dieser 1847 auf den Markt kam, hätte wohl kaum jemand gedacht, dass sie sich damit unsterblich gemacht hatte. Nun, irren ist menschlich. Heute gehört Wuthering Heights jedenfalls zu den zeitlosen Klassikern der Weltliteratur.

Nur vier Jahre nach der Veröffentlichung des Originals war schon die erste deutschsprachige Fassung erhältlich. Seitdem ist der Roman noch 12 weitere Male ins Deutsche übertragen worden. Leider befindet sich darunter keine, die wirklich zu überzeugen vermag.

Als wir uns vor einiger Zeit damit beschäftigt hatten, waren uns nur 12 Fassungen bekannt. Inzwischen ist uns aber eine weitere Version in die Hände gefallen. Die stammt von Gerhard Lorenz und ist etwa 1950 entstanden. Wir haben unsere damalige Untersuchung deshalb noch einmal ergänzt. Das Ergebnis fällt allerdings ernüchternd aus.

Das Tennisduell des Jahrhunderts

Beim Blättern in alten Papieren sind wir wieder auf einen faszinierenden Artikel gestoßen. Darin geht es um ein Tennismatch, das Anfang 1926 die ganze Welt in Atem gehalten hat: Suzanne Lenglen gegen Helen Wills.


Wann verlieren Reporter schon mal ihren Kopf? Nicht allzu oft, wollen wir hoffen, ab und an ist es aber doch der Fall. So auch im Februar 1926. Damals, so schrieb J. Stavnik im Tage-Buch vom 6. März 1926 (S. 377 f.), hätten ›alle großen Blätter englischer Sprache dies- und jenseits des Ozeans den Kopf verloren‹. Und warum? Weil in Cannes zwei Frauen Tennis gespielt haben und ›nach einigem Hin- und Herwerfen die Dame mit der häßlichen Nase die Dame mit der hübschen Nase besiegt hat‹.

Die Partie war in der Tat das größte Ereignis, das die Riviera bis dato gesehen hatte. Keiner, der dabei gewesen ist, hat es je vergessen. Als die Französin Suzanne Lenglen und die Amerikanerin Helen Wills am 16. Februar 1926 in Cannes zu ihrem einzigen Tennismatch gegeneinander antraten, schien die Welt für einen Tag stillzustehen, wie wir auch Larry Engelmanns Buch The Goddess and The American Girl (Oxford: University Press 1986) entnehmen können.

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Astrologie in alten Zeiten

Beim Blättern in alten Papieren sind wir wieder auf einen faszinierenden Artikel gestoßen. Darin geht es um eine auch heute noch populäre Pseudowissenschaft: die Astrologie.


Wer Muße hat, der sollte bei Nacht mal den Sternenhimmel schauen. Das ist schön. Dort kann man dann all die Sterne erkennen, die die bekannten Bilder formen: Andromeda, Drache, Fische, Großer Bär, Großer Hund, Herkules, Jungfrau, Kassiopeia, Kleiner Bär, Kleiner Hund, Krebs, Löwe, Orion, Pegasus, Schütze, Skorpion, Steinbock, Stier, Waage, Wassermann, Wasserschlange, Widder, Zentaur, Zwillinge usw.

All diese Sternbilder (und noch einige mehr) hatte schon Ptolemäus um das Jahr 150 herum beschrieben. 12 davon sind auch Namensgeber für die Tierkreiszeichen, die in der Astrologie eine Hauptrolle spielen, mit den am Himmel sichtbaren Sternbildern außer den Namen aber nur die Reihenfolge auf der scheinbaren jährlichen Sonnenbahn gemeinsam haben – und sonst nichts.

Nun geht die Astrologie davon aus, dass all das, was auf der Erde geschieht, mit den Bewegungen am Himmel zusammenhängt. So soll es vor allem möglich sein, aus dem Stand der Sterne zur Zeit der Geburt das Schicksal und der Charakter eines Menschen zu erschließen.

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