Sport-Signale

Poe und der Schachtürke

Selbst die besten Schachspieler der Welt haben heute gegen gute Programme keine Chance mehr. Früher war das noch anders. Umso verblüffter waren die Menschen des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts, als der Schachtürke auftauchte. Auch Edgar Allan Poe besuchte seine Vorstellungen.

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Edgar Allan Poe war für seinen Spürsinn bekannt. Immerhin geht der erste Literaturdetektiv der Welt auf den Schriftsteller zurück: C. Auguste Dupin machte sich im Jahre 1841 mit der Lösung des Doppelmords in der Rue Morgue unsterblich.

Genauso methodisch wie der von ihm erdachte Detektiv war Poe schon ein paar Jahre früher vorgegangen, als er sich daran gemacht hatte, das Rätsel des Schachtürken zu lösen. Ein Automat, der ein so kompliziertes Spiel wie Schach beherrschte – das war schlichtweg unmöglich, zumindest zu Poes Lebzeiten. Und Poe wusste das.

Beim Schach ist es nämlich so: Maschinen sind heutzutage das Maß aller Dinge, kein Spieler der Welt hat eine reelle Chance, einen Wettkampf erfolgreich gegen einen Computer zu bestreiten. In den Neunzigern ist das noch anders gewesen. Damals glaubte man sogar, dass ein Mensch niemals einer Maschine unterliegen würde.

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Die hölzernen Kreuze

Autor: Roland Dorgelès; Originaltitel: Les croix des bois; Genre: Roman; Verlagsort der Erstausgabe: Paris; Verleger: Albin Michel; Erscheinungsjahr: 1919; deutsche Erstausgabe: Die hölzernen Kreuze (Horw-Luzern: Montana Verlag 1930, Übersetzung: Tony Kellen und Erhard Wittek)

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Tucholsky lesen

Tucholskys Text 1:
›Auf dem Nachttisch‹, Autorenname: Peter Panter, Die Weltbühne 45/1929, S. 701 bis 705

Tucholskys Text 2:
›Auf dem Nachttisch‹, Autorenname: Peter Panter, Die Weltbühne 44/1930, S. 651 bis 656

Für Tucholsky war es von den Kriegsbüchern ›das schönste von allen; nicht das größte, aber das schönste‹ (TT1, S. 703). Was aber bedeutet das: das schönste Kriegsbuch? Kann ein Buch über den Krieg überhaupt schön sein? Vielleicht schon.

Vertrauen wir zunächst einmal auf Tucholsky, der Zeit seines Lebens viele Kriegsbücher besprochen hat. Darunter war also auch das vorliegende, das hierzulande weitgehend unbekannt ist: Les croix des bois von Roland Dorgelès.

Tucholsky war begeistert. So zählte er in seiner ersten Rezension, die sich mit dem französischen Original befasste, viele Beispiele auf, die veranschaulichen sollten, was Dorgelès geleistet hatte, etwas ›ganz und gar Einzigartiges‹ nämlich:

Woher er dies hier hat, weiß ich nicht; es muß ihm der selige Shakespeare nachts im Traum erschienen sein.

[TT1, S. 704]

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Heeresbericht

Autor: Edlef Köppen; Titel: Heeresbericht; Genre: Roman; Verlagsort: Berlin; Verleger: Horen-Verlag; Erscheinungsjahr: 1930

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Tucholsky lesen

Tucholskys Text:
›Ein Stück Dichtung‹, Autorenname: Peter Panter, Die Weltbühne 16/1931, S. 590

Adolf Reisiger ist begeistert. Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbricht, verpflichtet er sich wie so viele andere auch aus freien Stücken zum Militärdienst. Er kommt zunächst zu einem Feldartillerieregiment an die Westfront, wo er bis zu einer schweren Verwundung stationiert ist. Noch immer ist er von seinem Einsatz überzeugt, jeden möglichen Zweifel blendet er vorerst weiter aus.

Nach seiner Genesung kämpft er bis zum Frieden von Brest-Litowsk an der Ostfront, ehe sein Regiment wieder in den Westen verlegt wird. Dort erlebt er hautnah mit, wie 1918 die deutsche Frühjahrsoffensive scheitert. Auch der Versuch, Mitte Juli noch einmal an Boden zu gewinnen, geht daneben.

Ein Schlag für die Armee, eine Bestätigung aber für Reisinger, dessen Einstellung sich im Laufe der Jahre gründlich geändert hat. Von seiner ursprünglichen Begeisterung ist nun nichts mehr zu spüren, jetzt muss er seinen Abscheu vor dem Krieg einfach herausschreien – und das kommt ihn teuer zu stehen.

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Der zweite Roman über die Weiße Rose

Außer dem Roman von Alfred Neumann gibt es noch einen zweiten zeitgenössischen Bericht zu den Geschehnissen um die Weiße Rose. Dabei handelt es sich um den etwas kurios betitelten Roman Seven Were Hanged, der 1945 bei Victor Gollancz in London erschienen ist. Als Autor zeichnete der amerikanische Journalist Willam Bayles, der in den Dreißigerjahren in Deutschland gearbeitet, das Land aber bei Kriegsausbruch verlassen hatte.

Anders als bei Neumann ist nicht genau bekannt, woher Bayles seine Informationen hatte. Man kann aber davon ausgehen, dass seine hauptsächliche Quelle jener Artikel war, der am 18. April 1943 in der New York Times erschienen war. Grundlage dieses Artikels war ein Bericht des deutschen Rechtsanwalts und Widerstandskämpfers Helmuth James Graf von Moltke – und genau wie dort tauchen auch bei Bayles zwei falschen Namen auf: Adrian Probst und Maria Scholl.

[Ergänzung zur Liste: Die Weiße Rose in Romanen]

Wuthering Heights alias Sturmhöhe: Übersetzungen

Emily Brontë hat nur einen Roman geschrieben: Wuthering Heights. Das Buch ist heute noch genauso lesenswert wie vor 160 Jahren. Auf Deutsch ist die Geschichte als Sturmhöhe bekannt. Sie ist ein dutzend Mal ins Deutsche übersetzt worden.

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Einen Text von einer Sprache in eine andere zu übertragen, ist eine schwere Kunst. Viele Übersetzungen taugen in der Tat nichts, manche sind dagegen durchaus gelungen. Eine faszinierende Lektüre zu diesem Thema ist eine Arbeit von Elsbeth Ort: Kritischer Vergleich zweier deutscher Übersetzungen von Emily Brontës Wuthering Heights (Bern: Francke Verlag 1982).

Das bringt uns auf eine Idee: Warum nicht mal die deutschen Übersetzungen anhand einzelner Sätze miteinander vergleichen? Natürlich kann hier nur an der Oberfläche gekratzt werden, doch für einen ersten Eindruck sollte das schon reichen.

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Der Mörder

Heutzutage fiept und piept es überall, es brummt und summt, Ruhe findet man nirgends. Eine Welt voll lärmender Maschinen ist freilich nicht jedermanns Sache. Manche ziehen sich zurück in die Natur, andere wiederum werden zu Maschinenmördern. Es gibt eine schöne Kurzgeschichte aus dem Jahr 1953, die einen solchen Fall anschaulich schildert: ›The Murderer‹ von Ray Bradbury.

Die Erzählung findet sich in der Anthologie The Golden Apples of the Sun (New York: Doubleday), die 1970 von Margarete Bormann unter dem Titel Geh’ nicht zu Fuß durch stille Straßen (Hamburg/Düsseldorf: Marion von Schröder) ins Deutsche übersetzt worden ist. Zu finden ist ›Der Mörder‹ auch im erstmals 1972 erschienenen Ravensburger Taschenbuch Das Marsungeheuer.

Gumiljow und Woloschin duellieren sich

Früher war es üblich, seine Ehre formvollendet in einem Duell zu verteidigen. Auch die beiden russischen Dichter Nikolai Gumiljow und Maximilian Woloschin verlangten auf diese Weise Satisfaktion.

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Das Duell der beiden russischen Dichter war auf eine bizarre Liebelei zurückzuführen. Gumiljow hatte sich nämlich in die mysteriöse Baronin Cherubina de Gabriak verliebt, eine russischsprachige Poetin französisch-polnischer Herkunft, die zuvor mit einigen ihrer Gedichte für Aufsehen gesorgt hatte.

Gumiljow trat daraufhin in einen Briefwechsel mit ihr ein, der zunehmend immer leidenschaftlichere Züge annahm. Allerdings stellte sich bald schon heraus, dass die Baronin überhaupt nicht existierte, die Gedichte hatte die behinderte Schullehrerin Elisaweta Dimitriewa geschrieben, und zwar mit Hilfe des Dichters Maximilian Woloschin, der wohl auch die Legende um Gabriak erfunden hatte.

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