Da Goethe Wetzlar nachgewiesenermaßen am 11. September 1772 verließ und anschließend auf eine Woche im Hause La Roche sich aufhielt, dürfte dieser Brief kurz danach entstanden sein. Ein genaues Datum ist aber nicht bekannt. (Anm. d. Hrsg.) Mein lieber junger Freund, es ist vielleicht der falsche Zeitpunkt, trotzdem möchte ich Ihnen gerne einen Rat geben. Ja, [...]
Posts Tagged ‘Johann Wolfgang Goethe’
BBS, das Bücherbewertungsschema
(Nachttischlektüre #015) — Was soll man da machen? Neben mir liegt Carson McCullers Die Ballade vom traurigen Café (Diogenes Taschenbuch 20142), das ich gerade zu Ende gelesen habe. Ich werde aber nichts darüber schreiben, da mir, um ehrlich zu sein, partout nichts dazu einfallen will. Ist das nun ein gutes oder ein schlechtes Zeichen? Man [...]
Fünf literarische Frauenfiguren und ihre realen Vorbilder
1) Isabel Archer (Bildnis einer Dame) ↔ Mary Temple Durch ihr temperamentvolles und lebhaftes Wesen wusste die früh verwaiste Mary Temple (1845 bis 1870), die von allen nur Minny genannt wurde, all ihre Bekannten und Verwandten in den Bann zu ziehen, darunter auch Henry James. Vom frühen Tuberkulose-Tod seiner Kusine erschüttert, ließ James sie anschließend [...]
Brief an Bettine von Arnim
Der Hinweis auf die tolle Blutwurst macht deutlich, dass der Eklat, der zum Bruch zwischen Bettine und Goethe geführt hat, schon in der Vergangenheit liegt. Der Brief kann also erst nach 1811 geschrieben worden sein. (Anm. d. Hrsg.) Hochverehrte Frau von Arnim, auch wenn Sie mich nicht kennen, vertraue ich darauf, eine Tür zu Ihrem Herzen [...]
Einleitende Worte
(Nachttischlektüre #001) — Ein Kanon ist nichts für mich. Die zehn besten Platten der Welt (Musikalben, keine Gehsteigplatten), die zehn größten Filme, die zehn lesenswertesten Bücher – das ist doch Kokolores. Alles eine Frage des Geschmacks, was dem einen sin Ul, ist dem andern sin Nachtigall, wie der Niederdeutsche zu sagen pflegt. Klar, Goethe, Schiller & [...]
Ein handfester Streit
Wenn zwei Frauen miteinander einen Streit ausfechten, können mitunter schon mal die Fetzen fliegen. So geschehen auch vor knapp zweihundert Jahren, als die jungverheiratete Bettine von Arnim (geb. Brentano) mit Frau von Goethe aneinandergeriet. Einige Monate nach ihrer Hochzeit zog es das Ehepaar Arnim nach Frankfurt, wo sie Bettines Verwandten ihre Aufwartung machen wollten. Freilich [...]
Goethe besäuft sich
Der Schauspieler Eduard Genast erwähnt in seinem Büchlein Aus dem Tagebuche eines alten Schauspielers ein Gespräch vom 27. August 1818 zwischen Goethe, dessen Arzt Wilhelm Rehbein und Goethes Diener Karl Stadelmann. Danach hatte Goethes Diener zwei Flaschen Rotwein nebst zwei Gläsern in Goethes Räumlichkeiten abgestellt, welche, nachdem Goethe aufgestanden war, von jenem mit großem Genusse [...]
Von Goethe – oder nicht?
Goethe hat enorm viel geschrieben, so viel ist klar. Doch nicht alles, was mit seinem Namen gezeichnet ist, ist auch tatsächlich seiner Feder entflossen. Als Beispiel sei nur jener berühmte Aufsatz genannt, der sich mit der rechtlichen Stellung des Flohs in der Gesellschaft befasste. Schon im Vorwort der Juristischen Abhandlung über die Flöhe, deren erste [...]
Goethe’s Briefwechsel mit einem Kinde
Fünfzig Jahre alt war es schon, das Kinde, als es 1835 seinen Briefwechsel mit dem drei Jahre zuvor verstorbenen Goethe publizierte.* Freilich handelte es sich nicht um die originalen Briefe, die Bettine von Arnim (geb. Brentano) in Druck gab. Sie änderte die Briefe nach Gutdünken, schrieb vieles um, ließ einiges weg, dichtete neue Motive hinzu. [...]
Über den Alexandriner
Der Alexandriner ist ein sechshebiger jambischer Vers mit einer Binnenzäsur nach der dritten Hebung, betstehend aus zwölf (bei stumpfen, männlichen Ausklang) oder dreizehn Silben (bei klingendem, weiblichen Ausklang). Hier ein Beispiel aus der Feder Goethes: Daneben braucht man auch, ich kann es nicht verschweigen, Entferntes Holz und Kalk und Schiefer und dergleichen. [Faust. Der Tragödie [...]
